Winterporree: Was ihn von Sommer- und Herbstporree unterscheidet
Porree (Allium porrum) wird je nach Erntezeit in drei Gruppen eingeteilt: Sommerporree (Ernte Juli bis September), Herbstporree (Ernte September bis November) und Winterporree. Letzterer – auch Winterlauch genannt – ist die anspruchsvollste, aber auch ertragreichste Variante für den Selbstversorger-Garten. Winterporree Sorten wie „Bleu de Solaise“, „Elephant“ oder „Alaska“ trotzen Temperaturen bis etwa −15 °C und können von Oktober bis weit in den März hinein frisch aus dem Beet geerntet werden.
Was Winterporree von den anderen Gruppen unterscheidet, ist nicht nur seine Frosthärte: Die Stangen entwickeln sich langsamer, werden dicker und verlangen mehr Platz sowie eine tiefere Pflanzung. Wer diese Besonderheiten ignoriert und Winterporree wie Sommerporree behandelt, riskiert dünne, schlecht gebleichte Stangen und eine enttäuschende Ernte.
Kurze Begriffsklärung: Lauchzwiebeln (auch Frühlingszwiebeln genannt) sind eine andere Kultur als Porree und werden deutlich enger gepflanzt. Dieser Artikel behandelt ausschließlich Porree (Allium porrum).
Wann sollte man Winterporree pflanzen?
Vorziehen ab Mitte Februar bis März
Winterporree braucht eine lange Vegetationszeit von fünf bis sieben Monaten. Das Vorziehen beginnt deshalb früh: Mitte Februar bis Ende März ist der ideale Zeitraum, um die Samen auf einer warmen Fensterbank oder im Gewächshaus in Anzuchtschalen zu säen. Bei Temperaturen zwischen 18 und 20 °C keimen die Samen innerhalb von zehn bis vierzehn Tagen.
Die Jungpflanzen werden pikiert, sobald sie etwa bleistiftdick sind – das ist in der Regel nach sechs bis acht Wochen der Fall. Ein Blick in einen aktuellen Aussaatkalender oder Pflanzkalender hilft, die regionalen Frostdaten in der eigenen Lage zu berücksichtigen.
Auspflanzen ins Freiland: Mai bis Mitte Juni
Ins Freiland kommen die Jungpflanzen, wenn keine starken Nachtfröste mehr zu erwarten sind – das ist je nach Region zwischen Mitte Mai und Mitte Juni. Die Pflanzen sollten zu diesem Zeitpunkt 15 bis 20 cm hoch und etwa 0,5 bis 1 cm im Durchmesser sein. Wer zu früh auspflanzt, riskiert Wachstumsstockungen durch Kälterückschläge; wer zu spät wartet, schenkt dem Winterporree wertvolle Wachstumswochen.
Der optimale Pflanzabstand – das Herzstück für weiße, kräftige Stangen
Kein anderer Faktor beeinflusst die Stangenqualität von Winterporree so direkt wie der Pflanzabstand. Er bestimmt, ob die Stangen kräftig und weiß werden – oder dünn und grün bleiben.
Abstand in der Reihe: 15 bis 20 cm
In der Reihe empfehlen sich 15 cm Abstand für mittelkräftige Stangen und 20 cm für besonders dicke Exemplare. Im eigenen Anbauversuch zeigt sich: Bei 15 cm Abstand entwickeln sich die Stangen gleichmäßig, konkurrieren aber spürbar um Nährstoffe, sobald sie ihre volle Größe erreichen. Bei 20 cm Abstand ist die Stangenentwicklung großzügiger – die Pflanzen nutzen den Boden tiefer aus und bilden deutlich kräftigere Schäfte. Wer Platz im Beet hat, sollte daher eher auf 20 cm gehen.
Abstand zwischen den Reihen: 30 bis 50 cm
Zwischen den Reihen gilt: mindestens 30 cm, besser 40 bis 50 cm. Der größere Reihenabstand erfüllt zwei Aufgaben: Er verbessert die Luftzirkulation zwischen den Pflanzen – was Pilzkrankheiten vorbeugt – und er schafft den Arbeitsraum, der beim späteren Anhäufeln unbedingt nötig ist. Wer die Reihen zu eng setzt, kommt buchstäblich nicht mehr mit der Hacke dazwischen.
Warum der Abstand die Stangenqualität direkt beeinflusst
Der Zusammenhang ist einfach: Zu eng gepflanzte Porree-Pflanzen konkurrieren um Nährstoffe und Licht. Der hohe Stickstoffbedarf von Allium porrum kann im engen Verband nicht gedeckt werden – die Stangen bleiben dünn. Gleichzeitig verhindert schlechte Luftzirkulation das Trocknen der Blattoberflächen, was Botrytis und Lauchmehltau begünstigt.
Ausreichender Abstand ist auch die Voraussetzung dafür, dass das Anhäufeln – der entscheidende Trick für weiße Stangen – überhaupt funktioniert. Ohne Platz zwischen den Reihen lässt sich keine Erde an die Stangen heranschieben.
So pflanzt man Winterporree richtig – Schritt für Schritt
Gräben oder Pflanzlöcher: 15 cm tief anlegen
Die bewährteste Methode ist die Pflanzgräben-Technik: Mit einem Grabstock oder einer Hacke werden Gräben von etwa 15 cm Tiefe angelegt – im Reihenabstand von mindestens 30 cm. Die Tiefe ist kein Zufall: Je tiefer die Jungpflanzen sitzen, desto mehr Stange liegt dauerhaft im Dunkeln und bleibt weiß, ohne dass zunächst viel Erde aufgehäufelt werden muss.
Alternativ werden mit einem Dibber oder dem Stiel einer Harke einzelne Pflanzlöcher von 10 bis 15 cm Tiefe gestochen. Diese Methode eignet sich besonders für kleinere Beete.
Jungpflanzen einsetzen und angießen
Die Jungpflanzen werden mit getrimmten Wurzeln (auf etwa 3 bis 4 cm kürzen) und gekürzten Blättern (auf etwa ein Drittel einkürzen) in die Löcher oder Gräben gesetzt. Die Erde wird dabei nicht sofort eingefüllt – stattdessen wird lediglich kräftig angegossen, sodass die Erde von selbst an die Wurzeln geschwemmt wird. Diese sogenannte „Tropfmethode“ verhindert Luftlöcher um die Wurzeln und fördert den Anwuchs.
Anhäufeln: der Trick für besonders viel Weiß
Das Anhäufeln ist der wichtigste Pflegeschritt für weiße Porree-Stangen. Das Prinzip: Lichtausschluss verhindert die Bildung von Chlorophyll – die Stange bleibt weiß und mild im Geschmack. Sobald die Pflanzen gut angewachsen sind (etwa vier bis sechs Wochen nach dem Auspflanzen), wird alle zwei bis drei Wochen Erde an die Stangen herangehäufelt – so hoch, wie die Stange bereits aus dem Boden ragt, jedoch immer unterhalb des Blattkragens.
Wichtig: Erde darf nicht zwischen die Blätter geraten, da sie dort fault und Fäulnis einleitet. Das Erde aufhäufen sollte stets bei trockenem Wetter erfolgen.
Standort und Boden für Winterporree
Porree gedeiht am besten an einem vollsonnigen Standort mit mindestens sechs Stunden direkter Sonne täglich. Der Boden sollte tiefgründig, humusreich und gut durchlüftet sein – staunasse Böden sind der häufigste Grund für Wurzelfäule und miserable Ernten.
Der pH-Wert sollte zwischen 6,0 und 7,5 liegen. Ist der Boden zu sauer, hilft eine Kalkgabe im Herbst vor der Pflanzung. Laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft gehört Porree zu den Starkzehrern mit hohem Stickstoffbedarf, weshalb gut kompostierte Beete oder eine Grunddüngung mit reifem Kompost vor dem Pflanzen sinnvoll sind.
Zur Fruchtfolge: Porree sollte nicht nach anderen Lauchgewächsen (Zwiebeln, Knoblauch, Lauchzwiebeln) angebaut werden. Eine Anbaupause von drei bis vier Jahren am gleichen Standort beugt bodenbürtigen Krankheiten vor. Gute Vorfrüchte sind Kohl, Salat oder Kartoffeln.
Pflege bis zur Ernte: Düngen, Gießen, Schädlinge abwehren
Regelmäßig gießen und Stickstoff nachliefern
Porree verdunstet viel Wasser über seine langen Blätter. In Trockenperioden sollte zwei- bis dreimal pro Woche gegossen werden – immer so, dass die Erde bis in 15 cm Tiefe feucht bleibt. Mulchen mit Grasschnitt oder Stroh reduziert die Verdunstung deutlich und hält gleichzeitig Unkraut zurück.
Die Stickstoffdüngung erfolgt in zwei Gaben: eine erste vier Wochen nach dem Auspflanzen (z. B. mit verdünnter Brennnesseljauche oder einem organischen Stickstoffdünger) und eine zweite etwa sechs Wochen später. Übermäßig gedüngt werden sollte nicht – zu viel Stickstoff fördert weiches, anfälliges Gewebe.
Lauchmotte und Zwiebelfliege: früh erkennen und handeln
Zwei Schädlinge machen Winterporree besonders zu schaffen:
- Lauchmotte (Acrolepiopsis assectella): Die Raupen fressen Gänge in Blätter und Stangen. Erkennbar an hellen Längsfraßspuren. Vorbeugung: feines Insektenschutznetz (Maschenweite unter 1 mm) direkt nach dem Auspflanzen auflegen.
- Zwiebelfliege (Delia antiqua): Die Larven schädigen die Wurzeln und den Schaftbereich. Befallene Pflanzen welken und vergilben. Auch hier schützt ein engmaschiges Schutznetz zuverlässig.
Wer auf Netze verzichtet, sollte den Boden regelmäßig lockern – das unterbricht den Entwicklungszyklus der im Boden überwinternden Puppen.
Ernte und Lagerung von Winterporree
Winterporree kann in der Regel ab Oktober geerntet werden und steht oft bis in den März hinein im Beet – er ist eine der wenigen Gemüsearten, die Frost nicht nur überstehen, sondern durch ihn sogar milder im Geschmack werden. Das Beet dient dabei als natürlicher Kühlschrank: Die Stangen werden einfach bei Bedarf gestochen.
Laut dem Bundeszentrum für Ernährung ist Lauch saisonal von Oktober bis April verfügbar – Winterporree deckt dieses Fenster ideal ab. Wer größere Mengen auf einmal erntet, lagert den Porree ungewaschen und in ein feuchtes Tuch gewickelt im Kühlschrank bis zu zehn Tage. Alternativ lässt sich Porree blanchiert einfrieren; Geschmack und Konsistenz bleiben nach dem Auftauen gut genug für Suppen, Eintöpfe und Schmorgerichte.
Ein schöner Nebeneffekt: Frischer Winterporree aus dem eigenen Garten ist aromatischer als gekaufter – das merkt man besonders in der Küche, wenn die dicken weißen Stangen in der Pfanne karamellisieren oder in einer Lauchcremesuppe sanft schmelzen.
Häufige Fragen rund um Winterporree
Wie weit muss man Lauch auseinandersetzen?
Der empfohlene Abstand beträgt 15 bis 20 cm innerhalb der Reihe und 30 bis 50 cm zwischen den Reihen. Engere Abstände führen zu dünneren Stangen und erschwertem Anhäufeln; größere Abstände verbessern die Stangenqualität, benötigen aber mehr Beetfläche.
Ist Porree frostempfindlich?
Winterporree ist ausgesprochen frosthart und erträgt Temperaturen bis etwa −15 °C, ohne Schaden zu nehmen. Sommerporree-Sorten hingegen überstehen nur leichte Fröste bis etwa −5 °C. Entscheidend ist die Sortenauswahl: Wer Porree über Winter im Beet lassen möchte, muss gezielt Winterporree-Sorten kaufen – auf der Packung steht dies in der Regel als „Wintersorte“ oder mit einer Erntezeit bis März.
Kann man Porree im Hochbeet anbauen?
Ja – Porree gedeiht im Hochbeet sehr gut, sofern das Beet tief genug ist (mindestens 40 cm Erdtiefe für ausreichende Wurzelentwicklung). Die Pflanzabstände bleiben identisch: 15 bis 20 cm in der Reihe, 30 cm zwischen den Reihen. Im Hochbeet ist das Anhäufeln etwas aufwendiger, da kein Erdreservoir seitlich vorhanden ist – hier hilft es, die Pflanzgräben anfangs besonders tief anzulegen. Auf dem Balkon in Kübeln ist Porree wegen des hohen Platzbedarfs weniger geeignet; möglich ist es dennoch in großen Pflanzkübeln mit mindestens 30 cm Tiefe und Breite pro Pflanze.



